Kurz gesagt: Auracast ist Broadcast-Audio auf Basis von Bluetooth LE Audio: Ein Sender strahlt Ton aus, und beliebig viele Kopfhörer, Lautsprecher oder Hörgeräte können zuhören. Die Übertragung nutzt den Codec LC3, kann offen oder verschlüsselt sein, und jeder Empfänger regelt seine Lautstärke selbst. Voraussetzung sind Geräte mit LE Audio und freigeschalteter Auracast-Funktion.
Die Idee: Bluetooth wie ein Radiosender
Klassisches Bluetooth-Audio ist eine Zweierbeziehung: Ein Smartphone ist mit einem Kopfhörer gekoppelt, und nur dieser hört mit. Wer zu zweit Musik hören oder den Fernsehton auf mehrere Kopfhörer verteilen wollte, brauchte bisher herstellereigene Lösungen. Auracast ändert das Prinzip grundlegend. Die Galaxus-Redaktion vergleicht es treffend mit einem Radioprogramm – nur eben über Bluetooth statt über eine Sendeantenne.
Technisch ist Auracast laut Bluetooth SIG ein Satz festgelegter Konfigurationen für das Broadcast-Audio von Bluetooth LE Audio. Ziel ist, dass Produkte verschiedener Hersteller zusammenarbeiten und sich Sender in öffentlichen Räumen einheitlich einsetzen lassen. Ein Auracast-Sender kann laut SIG an eine unbegrenzte Zahl von Empfängern gleichzeitig senden. In Veranstaltungsräumen ist die Zahl laut SIG praktisch nur durch die Zahl der Menschen begrenzt, die in den Raum passen.
Eine Kopplung im klassischen Sinn ist nicht nötig. Der Sender strahlt aus, die Empfänger klinken sich ein – ähnlich wie man ein Radio auf einen Sender einstellt. Die technischen Grundlagen dafür erklärt der Beitrag LE Audio und LC3.
Drei Rollen: Sender, Empfänger, Assistent
Die Bluetooth SIG beschreibt in ihrer Auracast-Übersicht drei Rollen:
| Rolle | Aufgabe | Beispiele laut SIG |
|---|---|---|
| Sender (Transmitter) | strahlt den Audiostrom aus | Fernseher, Smartphone, PC, Tablet, Mikrofon, Nachrüst-Adapter |
| Empfänger (Receiver) | gibt den Ton wieder | Ohrhörer, Kopfhörer, Hörgeräte, Cochlea-Implantate, Lautsprecher, Soundbars |
| Assistent (Assistant) | findet Sender und zeigt sie zur Auswahl an | Smartphone, Smartwatch, Fernbedienung, Ladecase von Ohrhörern |
Der Assistent ist eine clevere Idee. Er sucht nach verfügbaren Sendern und hilft beim Auswählen, nimmt aber laut SIG selbst nicht am Audiostrom teil und beendet die Suche, sobald die Empfänger eingerichtet sind, um Akku zu sparen. So kann zum Beispiel eine Smartwatch die Liste der Sender anzeigen, während der Ton direkt in die Ohrhörer geht.
So trittst du einem Auracast bei
Für das Einwählen gibt es laut Bluetooth SIG mehrere Wege:
- Auracast-Taste am Empfänger drücken, um einen Broadcast zu finden und zu starten.
- Einen Sender aus einer Liste wählen, die eine App oder ein Gerät wie eine Smartwatch anzeigt; jeder Sender trägt einen lesbaren Namen.
- Einen QR-Code mit dem Smartphone scannen, etwa am Hotelfernseher oder bei einem privaten Stream.
- Einen aufgedruckten Zugangscode eingeben oder ihn aus einem elektronischen Ticket übernehmen.
Galaxus nennt zusätzlich NFC als möglichen Zugangsweg. Google kündigte im März 2025 an, dass Pixel-9-Geräte Broadcasts über QR-Codes beitreten können, ohne erst die Einstellungen öffnen zu müssen.
Jeder Empfänger regelt seine Lautstärke laut SIG unabhängig. Wer beim gemeinsamen Fernsehen lauter hören möchte, stellt das am eigenen Kopfhörer ein, ohne die anderen zu stören.
Offen oder verschlüsselt
Auracast-Übertragungen können offen oder verschlüsselt sein. Laut SIG ist Verschlüsselung optional: Öffentliche Durchsagen brauchen sie oft nicht, private Streams schon. Der Schlüssel heißt Broadcast_Code und kann eine alphanumerische Zeichenfolge sein. Er kann fest sein oder sich laut SIG bei jedem Ein- und Ausschalten des Senders ändern – bei einem privaten Fernseher womöglich mehrmals am Tag.
Für den Alltag heißt das: Ein Auracast vom eigenen Fernseher lässt sich so absichern, dass die Nachbarn nicht mithören. Die SIG beschreibt, dass Familienmitglieder mit vorab verbundenen Geräten den Code automatisch erhalten und Gäste vorübergehenden Zugang per QR-Code bekommen können. Galaxus weist umgekehrt darauf hin, dass sich bei einem offenen Broadcast nicht kontrollieren lässt, wer und wie viele Geräte zuhören.
Technik: LC3, Qualität und Reichweite
Auracast nutzt den Codec LC3. Laut SIG muss jede Auracast-Übertragung eine Standard-Qualitätsstufe unterstützen; eine höhere Qualitätsstufe ist optional. Die genauen Parameter legt die SIG in Empfehlungen für Sender fest. Die Latenz liegt laut SIG fast eine Größenordnung unter der von klassischem Bluetooth-Audio – wichtig für Fernsehton, bei dem Lippen und Stimme zusammenpassen sollen.
Mehrere Datenströme sind ebenfalls möglich. Ein Sender kann laut SIG etwa verschiedene Sprachen parallel ausstrahlen oder eine Mono-Spur mit hervorgehobenen Dialogen. Galaxus beschreibt, dass auch Metadaten wie Titel- oder Programminformationen mitgesendet werden können, für die Anzeige braucht es allerdings ein Display.
Zur Reichweite nennt Galaxus einen „(sehr) theoretischen“ Höchstwert von 400 Metern; Wände und Türen schränken sie deutlich ein. Laut SIG deckt ein Sender typischerweise eine mittelgroße Halle ab. Wie Reichweite und Störungen im Alltag zusammenhängen, erklärt Bluetooth-Audio erklärt.
Einsatzbereiche: vom Wohnzimmer bis zum Bahnhof
Die Bluetooth SIG und Galaxus beschreiben eine ganze Reihe von Anwendungen:
- Zu Hause: Fernsehton auf mehrere Kopfhörer mit individueller Lautstärke, etwa wenn eine Person leiser hören möchte. Mehr dazu im Beitrag TV-Ton per Kopfhörer.
- Musik teilen: den Ton vom Smartphone per QR-Code mit Freunden teilen.
- Mehrere Lautsprecher: Musik auf Lautsprecher verschiedener Hersteller verteilen – bisher eine Domäne herstellereigener Funktionen, siehe Stereo-Pairing und Party-Modus.
- Öffentliche Bildschirme: Sportbars und Fitnessstudios mit mehreren Fernsehern, jeder mit eigenem Broadcast.
- Vorträge und Veranstaltungen: Mikrofon mit eingebautem Sender, das Hörgeräte, Ohrhörer und PA-Lautsprecher zugleich versorgt.
- Verkehr und Service: Durchsagen an Bahnhöfen und Flughäfen, Empfangstresen, Ticketschalter, Theater.
- Silent Disco: viele Kopfhörer, ein Sender.
Für Menschen mit Hörgeräten ist Auracast besonders interessant. Die SIG schreibt, dass Broadcast-Audio ursprünglich als Ergänzung zur Induktionsschleife gedacht war und künftige Sender aus heutigen Induktionsschleifen-Anlagen hervorgehen dürften. Ob und wie ein Hörgerät Auracast nutzen kann, klärst du am besten mit der Hörakustikerin oder dem Hörakustiker.
Welche Geräte können Auracast?
Grundvoraussetzung ist LE Audio, das laut SIG auf Bluetooth 5.2 aufbaut. Galaxus betont aber, dass Geräte ab 5.2 Auracast nur grundsätzlich unterstützen – die Funktion muss in der Firmware freigeschaltet sein. Mehr zu den Versionen: Bluetooth-Versionen.
Einige Beispiele aus den Quellen: hifi.de berichtete im August 2023, dass Samsung ausgewählte Neo-QLED- und Micro-LED-Fernseher per Update mit Auracast ausstattet und die Galaxy Buds2 Pro LE Audio erhalten. Galaxus nannte im April 2024 die JBL Xtreme 4 mit eigener Auracast-Taste und Samsung-Smartphones der S23- und S24-Serie. Google kündigte im März 2025 Auracast-Unterstützung für Samsung-Galaxy-Geräte mit One UI 7 und Android 15 sowie für Pixel-9-Geräte mit der Beta von Android 16 an, ausdrücklich auch für LE-Audio-fähige Hörgeräte etwa von GN Hearing und Starkey.
Die Verbreitung wächst, ist aber noch lückenhaft. Prüfe vor dem Kauf deshalb genau, ob ein Gerät Auracast senden, empfangen oder beides kann – und ob dein Smartphone die Funktion unterstützt. Bei Bluetooth-Lautsprechern lohnt ein Blick in den Ratgeber Bluetooth-Lautsprecher-Wissen.
Grenzen und offene Fragen
- Nicht jedes Gerät mit Bluetooth 5.2 oder neuer kann Auracast – entscheidend ist die Freischaltung durch den Hersteller.
- Klassische Bluetooth-Kopfhörer ohne LE Audio können einem Auracast nicht beitreten.
- Laut Galaxus muss das Empfangsgerät anders als bei AirPlay oder Chromecast nicht im selben WLAN sein – Bluetooth-typisch ist die Reichweite aber begrenzt.
- Galaxus wies 2024 darauf hin, dass noch offen sei, ob Streaming-Apps den Zugriff über Auracast einschränken werden.
Fazit: Auracast macht aus Bluetooth erstmals ein echtes Rundfunkmedium für kurze Distanzen. Für das gemeinsame Fernsehen, Veranstaltungen und öffentliche Durchsagen eröffnet das neue Möglichkeiten. Ob du davon profitierst, entscheidet vor allem die Ausstattung deiner Geräte.
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Häufige Fragen
Was ist Auracast?
Auracast ist Broadcast-Audio auf Basis von Bluetooth LE Audio: Ein Sender überträgt Ton an beliebig viele Empfänger gleichzeitig.
Brauche ich für Auracast neue Kopfhörer?
Ja, wenn deine Kopfhörer kein LE Audio unterstützen. Empfänger müssen LE Audio und Auracast beherrschen.
Kann jeder in der Nähe meinen Auracast mithören?
Nur wenn er offen ist. Auracast-Übertragungen lassen sich mit einem Zugangscode verschlüsseln.
Wie trete ich einem Auracast bei?
Je nach Gerät über eine Auracast-Taste, eine Liste in einer App oder Smartwatch, einen QR-Code oder einen Zugangscode.
Quellen
- Bluetooth SIG: An Overview of Auracast Broadcast Audio (PDF)
- Bluetooth SIG: Auracast Overview (PDF)
- Bluetooth SIG: LE Audio FAQ
- Galaxus: Auracast – der neue Bluetooth-Standard erklärt
- Google: Auracast für Hörgeräte und Earbuds
- hifi.de: Samsung bringt LE Audio und Auracast
- LE Audio und LC3: die neue Generation von Bluetooth-Audio
- Bluetooth-Audio erklärt: wie Musik kabellos ins Ohr kommt
- Bluetooth-Versionen: 4.2, 5.0, 5.3, 6.0 und LE Audio im Überblick
- Bluetooth-Codecs: SBC, AAC, aptX, LDAC und LC3 im Vergleich
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