LDAC: Hi-Res über Bluetooth – was dran ist

Kurz gesagt: LDAC ist Sonys Bluetooth-Codec mit bis zu 990 kbit/s und Unterstützung für 24 Bit/96 kHz. Er arbeitet in drei Stufen, 330, 660 und 990 kbit/s, und ist auch in der höchsten Stufe verlustbehaftet. Seine Stärken spielt er nur bei guter Funkverbindung, hochwertigem Material und passender Einstellung aus.

Was LDAC ist

LDAC ist ein Bluetooth-Codec von Sony. Laut Audioengine brachte Sony ihn 2015 auf den Markt. Zunächst war er auf Sonys eigene Xperia-Smartphones beschränkt, wie Android Authority schreibt. Mit Android 8 „Oreo“ wurde LDAC Teil des offenen Android-Quellcodes. Seitdem können Smartphone-Hersteller den Encoder einbauen; laut Android Authority und der Wissensseite The Well-Tempered Computer ist dafür aber eine Registrierung und Zertifizierung bei Sony nötig.

Das Versprechen von LDAC: deutlich mehr Daten über Bluetooth als die gängigen Codecs. Laut Audioengine überträgt LDAC etwa die dreifache Datenmenge von Standard-Bluetooth-Audio. Damit positioniert Sony den Codec als Weg, hochauflösende Musik kabellos zu hören. Wie er sich im Vergleich zu SBC, AAC und aptX einordnet, zeigt der Überblick Bluetooth-Codecs.

Die drei Stufen: 330, 660, 990 kbit/s

LDAC arbeitet nicht mit einer festen Bitrate, sondern in drei Stufen. Android Authority beschreibt sie so:

ModusBitrateEigenschaft
Qualitätspriorität990 kbit/shöchste Datenrate, braucht sehr gute Verbindung
Normal660 kbit/sMittelweg zwischen Qualität und Stabilität
Verbindungspriorität330 kbit/sstabil, aber geringere Qualität

Laut Android Authority kann nur die 990-kbit/s-Stufe das volle 24-Bit/96-kHz-Signal transportieren. Aus der Android-Bibliothek geht laut dem Magazin außerdem hervor, dass Material mit 44,1 und 88,2 kHz auf 909 kbit/s begrenzt wird, während 48- und 96-kHz-Material die vollen 990 kbit/s nutzt.

Technisch setzt LDAC auf die erweiterte Datenrate von Bluetooth Classic (Enhanced Data Rate). Android Authority erläutert, dass diese Funktion in der Hardware optional ist, nicht jedes Smartphone die höchste Stufe schafft und in der Praxis meist rund 1,4 Mbit/s erreichbar sind. Bei 990 kbit/s für Audio bleibt da wenig Reserve.

Wie LDAC komprimiert

LDAC ist ein verlustbehafteter Codec. Android Authority beschreibt die Arbeitsweise: Das Signal wird in bis zu 16 Teilbänder aufgeteilt (aptX nutzt vier), die Bittiefe variiert je nach Frequenzbereich, und am Ende wird mit verlustfreier Huffman-Codierung weiter verdichtet. Die Teilbänder passt LDAC dynamisch an das Material an. Die genauen Algorithmen hält Sony allerdings geheim.

Ein Rechenbeispiel zeigt, warum Kompression unvermeidlich ist: Ein Stereosignal mit 24 Bit und 96 kHz entspricht 24 × 96.000 × 2 = 4.608.000 Bit pro Sekunde, also rund 4608 kbit/s. Selbst die höchste LDAC-Stufe überträgt nur gut ein Fünftel davon. The Well-Tempered Computer fasst das mit einem Zitat des Journalisten Robert Triggs zusammen: LDAC sei verlustbehaftet, aber auf clevere Weise. Für 16 Bit/44,1 kHz behauptet Sony laut Android Authority eine Qualität „wie CD“; der Autor hält eine weitgehend unveränderte Übertragung in dieser Auflösung für wahrscheinlich, eine Prüfung stehe aber aus.

Hi-Res-Logo: was es bedeutet

LDAC trägt das Logo „Hi-Res Audio Wireless“ der Japan Audio Society. Die Organisation definiert Hi-Res als Audio mit höherer Abtastrate und Bittiefe als die CD. Das Logo bestätigt also, dass LDAC solche Signale annehmen und übertragen kann – nicht, dass sie verlustfrei ankommen. Auch der Kopfhörerhersteller Baseus, der LDAC-Produkte anbietet, stellt in seinem Ratgeber klar, dass LDAC selbst bei 990 kbit/s nicht bitgenau arbeitet.

Ob dieser Unterschied hörbar ist, ist eine andere Frage. Was Hi-Res technisch bedeutet und wo die Grenzen der Wahrnehmung liegen, erklären die Beiträge Hi-Res-Audio und Abtastrate und Bittiefe.

Die Praxis: 330 kbit/s als Standard

Der größte Stolperstein ist die Voreinstellung. SoundGuys berichtet, dass viele Smartphones LDAC standardmäßig mit 330 kbit/s betreiben – und dass aptX und SBC in dieser Stufe besser abschneiden. Für die höheren Stufen muss man in den Android-Entwickleroptionen die Einstellung „Best Effort“ wählen. Selbst dann erreichten in Messungen von SoundGuys nicht alle Telefone die volle Bitrate: Ein LG V30+ kam auf 990 kbit/s, Galaxy Note 8 und Huawei P20 Pro auf 660 kbit/s, Pixel 3 und Pixel 3 XL nur auf 330 kbit/s. Die Messungen sind einige Jahre alt, zeigen aber, wie stark die Umsetzung vom Gerät abhängt.

SoundGuys merkt zudem an, dass die höchste Stufe weniger zuverlässig arbeitet als 660 kbit/s. Je höher die Datenrate, desto empfindlicher reagiert die Verbindung auf Abstand, Hindernisse und andere Funkquellen. Mehr dazu unter Bluetooth-Reichweite und Störungen.

Android Authority nennt weitere Einschränkungen: LDAC hat laut FAQ eine höhere Latenz als aptX, die variable Qualität macht es schwer zu erkennen, was gerade ankommt, und bei verlustbehafteten Streams wie Spotify bringt LDAC kaum Vorteile.

So prüfst und steuerst du LDAC

Ob LDAC überhaupt läuft und in welcher Stufe, ist nicht immer offensichtlich. Ein paar Wege helfen beim Nachsehen:

  • Entwickleroptionen freischalten: In den Android-Einstellungen unter „Über das Telefon“ mehrfach auf die Build-Nummer tippen; danach erscheinen die Entwickleroptionen.
  • Bluetooth-Audio-Codec ansehen: Dort zeigt Android den aktuell genutzten Codec an, solange ein Kopfhörer verbunden ist.
  • LDAC-Wiedergabequalität wählen: Je nach Smartphone stehen die Stufen und eine automatische Wahl („Best Effort“) zur Verfügung.
  • Hersteller-App prüfen: Manche Kopfhörer-Apps bieten eine Option „Klangqualität bevorzugen“ oder „Verbindung bevorzugen“, die LDAC aktiviert oder die Stufe beeinflusst.

Die Menünamen unterscheiden sich je nach Hersteller und Android-Version. Beachte außerdem, dass manche Smartphones die Einstellung nach einem Neustart oder einer neuen Kopplung zurücksetzen. Wenn die Verbindung nach dem Wechsel auf die höchste Stufe stottert, ist 660 kbit/s oft der bessere Kompromiss.

Auch außerhalb von Android taucht LDAC inzwischen auf. The Well-Tempered Computer verweist auf einen Thread bei Audio Science Review aus dem Jahr 2023, demzufolge sich LDAC mit einem Treiber auch unter Windows streamen lässt. Das ist eher etwas für Bastler; ab Werk bieten Windows-PCs den Codec in der Regel nicht an.

Mythen rund um LDAC

Mythos eins: „LDAC ist Hi-Res, also verlustfrei.“ Falsch – das Logo bezieht sich auf die Signalauflösung, nicht auf verlustfreie Übertragung. Mythos zwei: „Mit LDAC klingt jeder Kopfhörer besser.“ Der Codec kann nur übertragen, was ankommt; über Klangcharakter, Bass und Detailwiedergabe entscheiden Treiber, Abstimmung und Passform. Mythos drei: „LDAC ist immer an, wenn beide Geräte es können.“ Oft läuft er in der niedrigsten Stufe, die laut SoundGuys gegenüber aptX und SBC nicht im Vorteil ist.

Und schließlich: Ob du einen Unterschied zwischen 660 und 990 kbit/s hörst, kannst nur du selbst herausfinden. Ein fairer Weg ist ein Blindvergleich, bei dem jemand anderes die Einstellung wechselt, ohne es dir zu verraten.

Wann sich LDAC lohnt

  • Gute Voraussetzungen: Android-Smartphone mit LDAC, Kopfhörer mit LDAC, verlustfreie oder hochauflösende Quelle, ruhige Funkumgebung, Smartphone in der Nähe.
  • Wenig Nutzen: verlustbehaftete Streams, volle Bahnhöfe, Smartphone in der Hosentasche hinter dem Körper.
  • Für Spiele und Videos: lieber auf Codecs mit geringerer Latenz achten.
  • iPhone-Nutzer: LDAC steht dort nicht zur Auswahl; die Musik läuft über AAC.

Wer verlustfreie Streams hört, findet Hintergründe in Hi-Res-Streaming. Als Alternative im Qualcomm-Lager gibt es aptX HD, aptX Adaptive und aptX Lossless, siehe aptX-Varianten im Vergleich. Langfristig dürfte LE Audio mit dem Codec LC3 und dessen Erweiterungen die Codec-Landschaft verändern; mehr dazu in LE Audio und LC3.

Passend dazu bei rauschverbot.de

Häufige Fragen

Ist LDAC verlustfrei?

Nein. LDAC ist auch bei 990 kbit/s verlustbehaftet; ein Stereosignal mit 24 Bit/96 kHz bräuchte unkomprimiert rund 4608 kbit/s.

Wie aktiviere ich LDAC mit 990 kbit/s?

Unter Android in den Entwickleroptionen die LDAC-Wiedergabequalität auf „Best Effort“ oder Qualitätspriorität stellen. Nicht jedes Smartphone erreicht dabei die volle Rate.

Funktioniert LDAC am iPhone?

Nein, Apple-Geräte nutzen für Bluetooth-Musik AAC.

Lohnt LDAC bei Spotify?

Laut Android Authority kaum, weil der Stream bereits verlustbehaftet ist.

Quellen

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