Kurz gesagt: DTS:X ist das objektbasierte 3D-Tonformat von DTS und der wichtigste Gegenspieler von Dolby Atmos, vor allem auf Blu-ray. Daneben gibt es Auro-3D mit fest definierten Höhenebenen sowie MPEG-H, auf dem auch Sonys 360 Reality Audio basiert. Welches Format du hören kannst, hängt von Zuspieler, Receiver oder Soundbar und Inhalt ab.
Warum es mehr als ein 3D-Tonformat gibt
Wenn von Klang „von oben“ die Rede ist, denken die meisten an Dolby Atmos. Das Format ist am weitesten verbreitet, aber nicht allein. DTS, der langjährige Konkurrent von Dolby, hat mit DTS:X ein eigenes objektbasiertes Format entwickelt. Dazu kommen Auro-3D, das mit fest definierten Lautsprecherebenen arbeitet, und MPEG-H, ein offener Standard, der im Fernsehen und beim Musikstreaming eingesetzt wird.
Allen gemeinsam ist das Ziel: Klang nicht nur auf einer Ebene um dich herum, sondern auch in der Höhe abzubilden. Sie unterscheiden sich darin, wie sie den Ton beschreiben (kanal-, objekt- oder szenenbasiert), wie flexibel sie bei der Lautsprecheraufstellung sind und wo du ihnen im Alltag begegnest. Die Grundlagen der Vorgänger findest du im Artikel Dolby Digital und DTS.
DTS:X: objektbasiert und flexibel
DTS:X wurde laut What Hi-Fi? im Januar 2015 vorgestellt und konzentrierte sich zunächst auf das Heimkino, bevor es in Kinos kam. Der Kinoprozessor-Hersteller Trinnov zeigte die erste Heimvorführung auf der CES 2015. Wie Atmos arbeitet DTS:X objektbasiert: Klänge werden mit Positionsdaten gespeichert und erst im Decoder auf die vorhandenen Lautsprecher verteilt.
Was DTS:X laut What Hi-Fi? auszeichnet:
- Bis zu 32 Lautsprecherpositionen und Systeme bis 11.2 Kanäle in der ursprünglichen Heimversion.
- Es funktioniert auch mit klassischen Surround-Aufstellungen und verlangt nicht zwingend zusätzliche Höhenkanäle, auch wenn diese den Effekt verbessern.
- Die zugrunde liegende Plattform MDA (Multi-Dimensional Audio) ist offen und lizenzfrei.
- Bei passenden Geräten lässt sich die Dialoglautstärke getrennt regeln.
- DTS:X sitzt auf Blu-ray auf einer DTS-HD-Master-Audio-Spur und ist damit abwärtskompatibel.
Trinnov beschreibt die erste Consumer-Version etwas enger: maximal 12 gleichzeitige Kanäle, in der Praxis also bis 7.1.4. Die Angaben ergänzen sich: 32 mögliche Positionen im Format, aber begrenzte Kanalzahl in den damaligen Decodern.
DTS:X Pro, Neural:X, Virtual:X und IMAX Enhanced
Rund um DTS:X gibt es mehrere Namen, die leicht zu verwechseln sind. Diese Tabelle sortiert sie:
| Begriff | Was es ist | Laut Quelle |
|---|---|---|
| DTS:X Pro | Erweiterung für mehr Kanäle | Anfang 2020 angekündigt, Wiedergabe bis 30.2 Kanäle (What Hi-Fi?) |
| Neural:X | Upmixer, rechnet Stereo- oder Surroundton auf Höhenkanäle hoch | kann bei DTS:X Pro bis zu 30 Lautsprecher bedienen (Trinnov) |
| Virtual:X | Virtualisierung ohne Höhenlautsprecher | simuliert ein 7.1.4-Erlebnis über Soundbar oder 5.1 (What Hi-Fi?) |
| IMAX Enhanced | Zertifizierungs- und Tonprogramm | nutzt DTS:X-Pro-Verarbeitung für IMAX-Mischungen (What Hi-Fi?) |
| Headphone:X | Kopfhörer-Virtualisierung | Datenbank mit mehr als 500 Kopfhörerprofilen (What Hi-Fi?) |
Für dich heißt das: Ein Gerät mit „DTS Virtual:X“ kann DTS:X-Material abspielen und Höhe simulieren, ersetzt aber keine echten Höhenlautsprecher. Wie Virtualisierung grundsätzlich funktioniert, erklären wir unter Upfiring-Lautsprecher und virtuelles Atmos.
Auro-3D: Klang in Ebenen
Auro-3D verfolgt einen anderen Ansatz. Es baut auf übereinanderliegenden Lautsprecherebenen auf: einer Ebene auf Ohrhöhe und einer Höhenebene darüber. Die Bedienungsanleitung des Denon-Receivers AVR-X4300H beschreibt die empfohlene Aufstellung so: Das normale 5.1-System wird um Front-Height- und Surround-Height-Lautsprecher ergänzt. Alternativ können Rear-Height-Lautsprecher eines Atmos-Aufbaus genutzt werden, und in einer vereinfachten Variante genügt ein 5.1-System mit Front-Height-Lautsprechern.
Der Unterschied zu Atmos: Front-Height-Lautsprecher hängen an der Wand oberhalb der Frontlautsprecher, nicht an der Decke. Das kann in Wohnräumen leichter umzusetzen sein. Auro-3D ist heute laut einem Überblick des Home Theater Forum im Besitz von Datasat und hat es nach dieser Einschätzung schwer, sich am Markt durchzusetzen. Unterstützt wird es vor allem von höherpreisigen AV-Receivern; hifi.de listet es zum Beispiel bei den Denon-Modellen AVC-A1H und AVC-X4800H.
MPEG-H und 360 Reality Audio
MPEG-H 3D Audio ist ein internationaler, offener Standard, den das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen maßgeblich entwickelt hat. Laut Fraunhofer-Blog ist MPEG-H seit 2017 bei allen Fernsehsendern in Südkorea im Rahmen des Standards ATSC 3.0 auf Sendung und wurde für neue Rundfunkstandards in China und Brasilien ausgewählt. Ein Merkmal von MPEG-H: Zuschauer sollen einzelne Tonelemente nach ihren Vorlieben anpassen können, etwa den Kommentar bei einer Sportübertragung.
Für Musik ist MPEG-H die Basis von Sony 360 Reality Audio. Fraunhofer schreibt, dass Sony das Format am 15. Oktober 2019 in New York vorstellte und MPEG-H als Verteilformat wählte. Als Startgeräte wurden unter anderem der Smart Speaker Amazon Echo Studio und Sony-Kopfhörer gezeigt. Einige High-End-Receiver unterstützen 360 Reality Audio inzwischen ebenfalls; hifi.de nennt es bei den Denon-Modellen AVC-A1H und AVC-X4800H. Mehr zu 3D-Musik findest du unter Dolby Atmos Musik.
Upmixer: wenn das Material kein 3D-Ton ist
Ein großer Teil dessen, was du im Alltag schaust, ist gar nicht in 3D abgemischt: Nachrichten, viele Serien, ältere Filme, Musik in Stereo. Hier kommen Upmixer ins Spiel. Ein Upmixer analysiert das vorhandene Signal und verteilt Anteile davon auf zusätzliche Lautsprecher, auch auf die Höhenkanäle. Bei DTS heißt dieses Verfahren Neural:X, andere Formatanbieter und Gerätehersteller bringen eigene Upmixer mit, die in den Klangprogrammen des Receivers auftauchen.
Wichtig zu wissen: Ein Upmixer erfindet keine echten Höheninformationen. Er nutzt Hall, Raumanteile und Unterschiede zwischen den Kanälen, um daraus einen räumlicheren Eindruck zu erzeugen. Bei manchen Aufnahmen klingt das überzeugend, bei anderen wirkt es diffus oder verfärbt Stimmen. Probiere deshalb bei Musik und Dialog-lastigen Sendungen ruhig aus, ob dir der Upmixer oder die unveränderte Wiedergabe besser gefällt.
Manche Receiver erlauben es nicht, jeden Upmixer auf jedes Format anzuwenden; bestimmte Kombinationen sind herstellerseitig gesperrt. Ein Blick in die Bedienungsanleitung deines Geräts zeigt, welche Klangprogramme für welche Eingangssignale verfügbar sind.
Die Formate im Vergleich
| Format | Ansatz | Wo du es findest |
|---|---|---|
| Dolby Atmos | Kanalbasis plus Objekte | Blu-ray, Streaming, Spiele, Musik |
| DTS:X | objektbasiert, flexible Aufstellung | vor allem Blu-ray und UHD-Blu-ray |
| Auro-3D | kanalbasiert in Ebenen | einzelne Blu-rays, Musikproduktionen |
| MPEG-H / 360 Reality Audio | offener Standard, objektbasiert | TV-Rundfunk (z. B. Südkorea), Musikstreaming |
Im Streaming dominiert Dolby. What Hi-Fi? weist darauf hin, dass Netflix und Amazon Prime Video weder DTS:X noch Virtual:X unterstützen. Wenn du viel streamst, ist Atmos-Unterstützung deshalb wichtiger; passende Modelle findest du bei den Dolby-Atmos-Soundbars. Wer viele Blu-rays sammelt, profitiert zusätzlich von DTS:X; laut What Hi-Fi? tragen hunderte Blu-rays und 4K-Blu-rays das Format, erkennbar an einem Logo auf der Hülle. Einen Überblick über die Tonformate der Dienste gibt unser Artikel Streaming-Apps und Tonformate.
Mythen und Praxistipps
„DTS:X braucht keine Höhenlautsprecher, also klingt es ohne genauso.“ DTS:X kann auf klassische Layouts gerendert werden, aber ohne Höhenlautsprecher fehlt die Höheninformation physisch. Der Decoder verteilt sie dann auf die vorhandenen Lautsprecher.
„Ein Format ist klar besser.“ Welche Mischung dich mehr überzeugt, hängt vor allem von der jeweiligen Produktion ab, nicht vom Logo. Unterschiedlich laute Abmischungen können Vergleiche verfälschen.
- Prüfe im Datenblatt deines AV-Receivers oder deiner Soundbar, welche Formate decodiert werden. Auro-3D und 360 Reality Audio sind oft nur in höheren Modellreihen enthalten.
- Stelle Blu-ray-Player auf Bitstream-Ausgabe, damit DTS:X nicht vorher in PCM umgewandelt wird.
- Für verlustfreie 3D-Formate über den Fernseher brauchst du eARC; Details in HDMI ARC und eARC erklärt.
- Achte im Display oder Info-Menü darauf, welches Format tatsächlich erkannt wird.
Passend dazu bei rauschverbot.de
- AV-Receiver – DTS:X und Auro-3D
- Dolby-Atmos-Soundbars – 3D-Ton kompakt
- Denon AVR-X2800H DAB – Receiver mit DTS:X
Häufige Fragen
Ist DTS:X dasselbe wie Dolby Atmos?
Nein, beide sind objektbasierte 3D-Tonformate verschiedener Anbieter. Sie verfolgen ein ähnliches Ziel, sind aber eigene Codecs mit eigenen Decodern.
Kann ich DTS:X bei Netflix hören?
Laut What Hi-Fi? unterstützen Netflix und Amazon Prime Video kein DTS:X. Das Format findest du vor allem auf Blu-ray und UHD-Blu-ray.
Was ist Neural:X?
Ein Upmixer von DTS, der Stereo- oder Surroundton auf zusätzliche Lautsprecher, auch Höhenlautsprecher, verteilt.
Brauche ich für Auro-3D besondere Lautsprecher?
Auro-3D nutzt eine Höhenebene, typischerweise Front-Height- und Surround-Height-Lautsprecher an der Wand oberhalb der normalen Lautsprecher.
Quellen
- What Hi-Fi?: DTS:X – what is it? How can you get it?
- Trinnov: What is the difference between DTS:X and DTS:X Pro?
- Fraunhofer IIS Audio Blog: MPEG-H Audio und 360 Reality Audio
- Denon AVR-X4300H Bedienungsanleitung: Informationen zu Auro-3D
- hifi.de: Denon AVC-A1H – AV-Receiver mit 15 Verstärkerkanälen
- Home Theater Forum: The evolution of surround sound in the theater and home
- Dolby Atmos: Klang von oben
- Dolby Digital und DTS: die Klassiker des Surround-Sounds
- HDMI ARC und eARC erklärt: der Rückkanal für den Fernsehton
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